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24.02.2012
Übungsleiterkurs Teil 2
St. Pölten

Karatedo - Lehre

Entstehung von Karate

Um das 14. Jahrhundert wurde das aus dem chinesischen Shao Lin Kloster stammende traditionelle Kempo durch Handelsbeziehungen nach Okinawa gebracht. Chinesen und Einwohner aus Okinawa betrieben einen Handel zwischen Naha und der chinesischen Provinz Fuzhou. Dadurch kam es zur Verschmelzung von Kempo und dem auf Okinawa existierenden Te. Zur Verbreitung kam es durch die Schulen in Naha und Shuri, bzw. durch den Umstand, die nach China fahrende Handelsschiffe vor Piraten verteidigen zu müssen. Weiteres wurden chinesische Handwerker und Mönche in okinawanesischen Städten angesiedelt, die ebenfalls zur Verbreitung von Kempo beitrugen.

Um das Jahr 1470 kam es durch den Zusammenbruch der Sho Dynastie zu einer Zeit der Unruhe und Gewalt in Okinawa, wodurch ein allgemeines Waffenverbot verhängt wurde. In Folge wurde von Adeligen die Kunst des „Te“ weiterentwickelt, während Bauer und Fischer Kobudo, die Kunst der kleinen Waffen, im Geheimen ausübten.

Im 18. Jahrhundert studierten Te-Meister in China Kempo und verbreiteten ihre Kampfkünste nach ihrer Rückkehr über Okinawa.

Im Allgemeinen bezeichnete man all diese Te-Kampfkünste mit „Karate“ (Kara=China und Te=Hand), bzw. „Tode“, welche ausschließlich zur Verteidigung der Einwohner Okinawas dienten. Erst durch die Verbreitung in Japan wurde die heutige Bedeutung Kara=leere u. Te=Hand zur Bezeichnung der waffenlosen Kampfkunst eingeführt.

Stilrichtungen

Im Karate gibt es eine Vielzahl an Stilrichtungen, jede mit ihrer Eigenart Techniken auszuführen, sowie unterschiedlichen geschichtlichen Entwicklungen. Bei uns lernst du Goju Ryu, den Stil von „hart und weich“, welcher auf eine lange Tradition zurückblickt.

Die fünf bedeutensten Stilrichtungen:

  • Goju Ryu - Chojun Miyagi Sensei
  • Shito Ryu - Mabuni Kenwa Sensei
  • Wado Ryu - Otsuka Hironori Sensei
  • Shotokan - Funakoshi Gichin Sensei
  • Kyokushin Kai - Masutatsu Oyama Sensei

Die Geschichte des Goju Ryu Karate

Im Jahr 1874 ging der Te-Meister Higaonna Kanryo Sensei nach China um Kempo zu trainieren und wurde dort nach einiger Zeit zum besten Schüler des Shaolin Kempomeisters Ryu Ryuko. Nach etwa 15 Jahren Training lehrte Higaonna Kanryo nach seiner Rückkehr die mit Kempo erweiterte Te-Kunst in Naha. Seine Kampfkunst verbreitete sich sehr rasch auch über Naha hinaus, jedoch verblieben ihn auf Grund seines harten Trainings nur wenige Schüler. Die Kampfkunst von Higaonna Kanryo Sensei wurde ihm zu Ehren "Naha Te" genannt.

Im Jahr 1902 begann der 14 jährige Chojun Miyagi mit dem Training im Dojo von Kanryo Higaonna und wurde zu seinem besten Schüler. Beide widmeten 15 Jahre der Verbesserung und Verbreitung des Naha Te.  Nach dem Tod von Higaonna Kanryo Sensei wurde das „Naha Te“ Miyagi Chojun Sensei übertragen. Miyagi Sensei ging ebenfalls nach China um den früheren Kempo Meister von Kanryo Higaonna aufzusuchen, jedoch war Ryu Ryuko nicht mehr aufzufinden. Dennoch besuchte er einige Kung Fu Schulen  und studierte Kampfkünste  der Region Fukien.

Im Jahr 1926 gründete Chojun Miyagi Sensei in Gemeinschaft mit den höchsten Meistern aller Stilrichtungen den Karate Research Club in Naha. Nach einigen überlegungen entschied sich Miyagi Sensei bei der Namensgebung der von ihm gelehrten Stilrichtung für Goju Ryu (Go = hart, Ju = sanft). In weiterer Folge wurde 1933 Goju Ryu als eigene Karate Stilrichtung offiziell registriert. Miyagi lehrte und verbesserte Goju Ryu durch Anwendung moderner, wissenschaftlicher Trainingsmethoden.

Miyagi Sensei starb im Jahre 1953. Sein Nachfolger in Okinawa wurde Meitoku Yagi Sensei. In Japan wurde Goju Ryu über Gogen Yamaguchi (1909-1989), dem Begründer der Japan Goju Kai Organisation verbreitet. Sein Sohn Goshi Yamaguchi ist heute Präsident und höchster Shihan der internationalen Goju Kai Organisation "I.K.G.A".

Allgemeines

Das Karate Training

Karate dient in erster Linie zur Schulung von Geist und Körper, sowie ausschließlich der Selbstverteidigung!

Das heutige Training des Karate besteht aus drei wichtigen Säulen: Kihon = Grundschule, Kata = Scheinkampf und Kumite = Freikampf. Am Anfang erlernt der Schüler Grundtechniken aus der Kihon. Nach Festigung dieser Techniken, wird dem Schüler das erlernen der Taikyoku Kata gewährt. Eine Kata ist eine festgelegte Reihenfolge von Techniken, die so stark und genau als möglich ausgeführt werden muss. Mit ansteigender Graduierung des Schülers, werden immer schwierigere, bzw. auch längere Kata erlernt. Im Freikampf, genannt Kumite geht es um das Erlernen von Kontrolle, Genauigkeit und Schnelligkeit im Zweikampf.

Die Schülergrade

Farbe

 

Bezeichnung

 
  shiro 9. Kyu  
  kiiro 8. Kyu  
  orenji 7. Kyu  
  midor 6. Kyu  
  ao 5. Kyu  
  murasaki 4. Kyu  
  chairo 3. Kyu  
  2. Kyu  
  1. Kyu  
Die Schülergrade beginnen mit der untersten Stufe vom 9. Kyu ansteigend bis zum 1 Kyu.

Goju Ryu Kata

Sanchin 三戰 Die Kata Sanchin ist das Fudament des Goju Ryu Karate, durch sie wird das "Ki", die Atmung und der Körper trainiert.
Tencho 転掌 Diese Kata ist nach der Reise von Chojun Miyagi nach Fukien entstanden.
Gekisai Dai Ichi 撃砕第一 Die Gekisai Dai Ichi und Ni wurden von Chojun Miyagi Sensei für das Training von Anfängern entwickelt.
Gekisai Dai Ni 撃砕第二
Saifa 碎破 Die traditionellen Kata entwickelt von Kanryo Higaonna Sensei mit chinesischem Ursprung.
Seiyunchin 制引戰
Shisochin 四向戰
Sanseiru 三十六手
Seipai 十八手
Kururunfa 久留頓破
Seisan 十三手
Suparinpei 壱百零八手

Die 20 Regeln des Karate Do

Gemäß den von Gichin Funakoshi aufgestellten Regeln soll sich das Verhalten eines Karatekers nach folgenden Leitsätzen orientieren:
  1. Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.
  2. Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.
  3. Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.
  4. Erkenne zuerst dich selbst, dann den anderen.
  5. Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.
  6. Es geht einzig darum, den Geist zu befreien.
  7. Unglück geschieht immer durch Unachtsamkeit.
  8. Denke nicht, dass Karate nur im Dojo stattfindet.
  9. Karate üben heißt, es ein Leben lang zu tun.
  10. Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, dann wirst du geistige Reife erlangen.
  11. Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig warm hältst.
  12. Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert.
  13. Wandle dich abhängig vom Gegner.
  14. Der Kampf hängt von der Handhabung des Treffens und des Nicht-Treffens ab.
  15. Stelle dir deine Hand und deinen Fuß als Schwert vor.
  16. Sobald man vor die Tür tritt, findet man eine Vielzahl von Feinden vor.
  17. Feste Stellungen gibt es für Anfänger, später bewegt man sich natürlich.
  18. Die Kata darf nicht verändert werden, im Kampf jedoch gilt das Gegenteil.
  19. Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell, alles in Verbindung mit der richtigen Atmung.
  20. Denke immer nach und versuche dich ständig an Neuem.