Um das 14. Jahrhundert wurde das aus dem chinesischen Shao Lin Kloster stammende traditionelle Kempo durch Handelsbeziehungen nach Okinawa gebracht.
Chinesen und Einwohner aus Okinawa betrieben einen Handel zwischen Naha und der chinesischen Provinz Fuzhou. Dadurch kam es zur Verschmelzung von Kempo und
dem auf Okinawa existierenden Te. Zur Verbreitung kam es durch die Schulen in Naha und Shuri, bzw. durch den Umstand, die nach China fahrende Handelsschiffe
vor Piraten verteidigen zu müssen. Weiteres wurden chinesische Handwerker und Mönche in okinawanesischen Städten angesiedelt, die ebenfalls
zur Verbreitung von Kempo beitrugen.
Um das Jahr 1470 kam es durch den Zusammenbruch der Sho Dynastie zu einer Zeit der Unruhe und Gewalt in Okinawa, wodurch ein allgemeines Waffenverbot
verhängt wurde. In Folge wurde von Adeligen die Kunst des „Te“ weiterentwickelt, während Bauer und Fischer Kobudo, die Kunst der
kleinen Waffen, im Geheimen ausübten.
Im 18. Jahrhundert studierten Te-Meister in China Kempo und verbreiteten ihre Kampfkünste nach ihrer Rückkehr über Okinawa.
Im Allgemeinen bezeichnete man all diese Te-Kampfkünste mit „Karate“ (Kara=China und Te=Hand), bzw. „Tode“, welche
ausschließlich zur Verteidigung der Einwohner Okinawas dienten. Erst durch die Verbreitung in Japan wurde die heutige Bedeutung Kara=leere u.
Te=Hand zur Bezeichnung der waffenlosen Kampfkunst eingeführt.
Stilrichtungen
Im Karate gibt es eine Vielzahl an Stilrichtungen, jede mit ihrer Eigenart Techniken auszuführen, sowie unterschiedlichen geschichtlichen Entwicklungen.
Bei uns lernst du Goju Ryu, den Stil von „hart und weich“, welcher auf eine lange Tradition zurückblickt.
Die fünf bedeutensten Stilrichtungen:
Goju Ryu - Chojun Miyagi Sensei
Shito Ryu - Mabuni Kenwa Sensei
Wado Ryu - Otsuka Hironori Sensei
Shotokan - Funakoshi Gichin Sensei
Kyokushin Kai - Masutatsu Oyama Sensei
Die Geschichte des Goju Ryu Karate
Im Jahr 1874 ging der Te-Meister Higaonna Kanryo Sensei nach China um Kempo zu trainieren und wurde dort nach einiger Zeit zum besten Schüler des
Shaolin Kempomeisters Ryu Ryuko. Nach etwa 15 Jahren Training lehrte Higaonna Kanryo nach seiner Rückkehr die mit Kempo erweiterte Te-Kunst in Naha.
Seine Kampfkunst verbreitete sich sehr rasch auch über Naha hinaus, jedoch verblieben ihn auf Grund seines harten Trainings nur wenige Schüler.
Die Kampfkunst von Higaonna Kanryo Sensei wurde ihm zu Ehren "Naha Te" genannt.
Im Jahr 1902 begann der 14 jährige Chojun Miyagi mit dem Training im Dojo von Kanryo Higaonna und wurde zu seinem besten Schüler. Beide widmeten
15 Jahre der Verbesserung und Verbreitung des Naha Te. Nach dem Tod von Higaonna Kanryo Sensei wurde das „Naha Te“ Miyagi Chojun Sensei
übertragen. Miyagi Sensei ging ebenfalls nach China um den früheren Kempo Meister von Kanryo Higaonna aufzusuchen, jedoch war Ryu Ryuko nicht mehr
aufzufinden. Dennoch besuchte er einige Kung Fu Schulen und studierte Kampfkünste der Region Fukien.
Im Jahr 1926 gründete Chojun Miyagi Sensei in Gemeinschaft mit den höchsten Meistern aller Stilrichtungen den Karate Research Club
in Naha. Nach einigen Überlegungen entschied sich Miyagi Sensei bei der Namensgebung der von ihm gelehrten Stilrichtung für Goju Ryu (Go = hart, Ju = sanft).
In weiterer Folge wurde 1933 Goju Ryu als eigene Karate Stilrichtung offiziell registriert. Miyagi lehrte und verbesserte Goju Ryu durch Anwendung moderner,
wissenschaftlicher Trainingsmethoden.
Miyagi Sensei starb im Jahre 1953. Sein Nachfolger in Okinawa wurde Meitoku Yagi Sensei. In Japan wurde Goju Ryu über Gogen Yamaguchi (1909-1989),
dem Begründer der Japan Goju Kai Organisation verbreitet. Sein Sohn Goshi Yamaguchi ist heute Präsident und höchster Shihan der internationalen
Goju Kai Organisation "I.K.G.A".
Allgemeines
Das Karate Training
Karate dient in erster Linie zur Schulung von Geist und Körper, sowie ausschließlich der Selbstverteidigung!
Das heutige Training des Karate besteht aus drei wichtigen Säulen: Kihon = Grundschule, Kata = Scheinkampf und Kumite = Freikampf.
Am Anfang erlernt der Schüler Grundtechniken aus der Kihon. Nach Festigung dieser Techniken, wird dem Schüler das erlernen der
Taikyoku Kata gewährt. Eine Kata ist eine festgelegte Reihenfolge von Techniken, die so stark und genau als möglich ausgeführt
werden muss. Mit ansteigender Graduierung des Schülers, werden immer schwierigere, bzw. auch längere Kata erlernt. Im Freikampf,
genannt Kumite geht es um das Erlernen von Kontrolle, Genauigkeit und Schnelligkeit im Zweikampf.
Die Schülergrade
Farbe
Bezeichnung
shiro
9. Kyu
kiiro
8. Kyu
orenji
7. Kyu
midor
6. Kyu
ao
5. Kyu
murasaki
4. Kyu
chairo
3. Kyu
2. Kyu
1. Kyu
Die Schülergrade beginnen mit der untersten Stufe, dem 9. Kyu ansteigend bis zum 1 Kyu.
Goju Ryu Kata
Sanchin
三戰
Die Kata Sanchin ist das Fudament des Goju Ryu Karate, durch sie wird das "Ki", die Atmung und der Körper trainiert.
Tencho
転掌
Diese Kata ist nach der Reise von Chojun Miyagi nach Fukien entstanden.
Gekisai Dai Ichi
撃砕第一
Die Gekisai Dai Ichi und Ni wurden von Chojun Miyagi Sensei für das Training von Anfängern entwickelt.
Gekisai Dai Ni
撃砕第二
Saifa
碎破
Die traditionellen Kata entwickelt von Kanryo Higaonna Sensei mit chinesischem Ursprung.
Seiyunchin
制引戰
Shisochin
四向戰
Sanseiru
三十六手
Seipai
十八手
Kururunfa
久留頓破
Seisan
十三手
Suparinpei
壱百零八手
Die 20 Regeln des Karate Do
Gemäß den von Gichin Funakoshi aufgestellten Regeln soll sich das Verhalten eines Karatekers nach folgenden Leitsätzen orientieren:
Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.
Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.
Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.
Erkenne zuerst dich selbst, dann den anderen.
Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.
Es geht einzig darum, den Geist zu befreien.
Unglück geschieht immer durch Unachtsamkeit.
Denke nicht, dass Karate nur im Dojo stattfindet.
Karate üben heißt, es ein Leben lang zu tun.
Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, dann wirst du geistige Reife erlangen.
Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig warm hältst.
Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert.
Wandle dich abhängig vom Gegner.
Der Kampf hängt von der Handhabung des Treffens und des Nicht-Treffens ab.
Stelle dir deine Hand und deinen Fuß als Schwert vor.
Sobald man vor die Tür tritt, findet man eine Vielzahl von Feinden vor.
Feste Stellungen gibt es für Anfänger, später bewegt man sich natürlich.
Die Kata darf nicht verändert werden, im Kampf jedoch gilt das Gegenteil.
Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell, alles in Verbindung mit der richtigen Atmung.
Denke immer nach und versuche dich ständig an Neuem.
Wettkampf
Der Tatami - Wettkampffläche
Der Tatami ist ein Mattensystem auf dem sowohl Kata- als auch Kumitebewerbe ausgetragen werden. Die meist blaue oder grüne Kampffläche misst 8x8 Meter und ist von einer 1 Meter breiten roten Fläche begrenzt, die mit einer weiteren Fläche auf eine 2 Meter breite Sicherheitszone erweitert ist.